Zurück von meiner kurzen Kapverden-Reise kommt mir das kapverdische Wort in den Sinn: »Sodade«, die „Sehnsucht nach dem Paradies“ - das ein melancholisches Lebensgefühl beschreibt, wie der Blues, das tief in der kapverdischen Seele verwurzelt sein soll. Und ich glaube, es ein wenig nachempfinden zu können, denn am liebsten würde ich gleich wieder zurück.

Denn da ist auch ganz viel »Morabeza« - Lebensfreude, und die Menschen scheinen übervoll davon zu sein. Zwar besitzen sie nicht viel, doch umso größer ist ihr Reichtum an Menschlichkeit. Auf den insgesamt 10 Inseln der Kapverden ist eine ganz besondere kreolische Kultur zu Hause und es waren vor allem die vielen Begegnungen, die mich besonders fasziniert haben - Meeresbewohner natürlich mit eingeschlossen : )

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Bereit zum Abtauchen?

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Tarrafal - Paradies für Andersreisende

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Mein erstes Ziel ist der verschlafene Fischerort Tarrafal ganz im Norden der Insel Santiago. Die Menschen leben mehrheitlich vom Fischfang und der Landwirtschaft, vom Tourismus ist hier (noch) wenig zu sehen. Es gibt nur eine Handvoll kleiner Pensionen und Gästehäuser. Und das verwundert angesichts des malerischen Sandstrandes, der, vom 650 Meter hohen Monte Graciosa umrahmt, wie ein Rohdiamant da liegt.

Unweit davon befindet sich exklusiv in der King Bay Bucht das King Fisher Village, das mit seinen 16 Zimmern immer noch zu den größten Unterkünften gehört. Es herrscht eine friedvolle Stimmung – man hört Meeresrauschen, Kinder aus dem Ort springen vergnügt von den Felsen ins Wasser und ein sanfter Wind weht durch Palmen und die üppigen Bougainvillea-Sträucher.
Bei meiner Ankunft begrüßt mich die junge Resortmanagerin Salsa aus der Schweiz. Sie ist leidenschaftliche Surferin, die für den flotten Ritt auf der Welle hier ausgezeichnete Bedingungen vorfindet. Sie erklärt, dass mit dem King Fisher Village große Pläne geschmiedet werden. Die ersten Steine sind gelegt: Zum leckeren Frühstücksangebot mit hausgemachtem Brot, Marmeladen, Fruchtsäften und kapverdischen Spezialitäten, kredenzt in den Abendstunden der Schweizer Koch Flavio Menüs auf Feinschmecker-Niveau. Dazu werden schmackhafte Margarita-Cocktails oder Weine der Nachbarinsel Fogo serviert. In den Abendstunden kann man vom Restaurant aus bei guter Sicht Fogos mächtigen Vulkankegel sehen – inklusive herrlich kitschigem Sonnenuntergang!

Ab Mai 2019 wird das King Fisher Village für umfassende Renovierungen und Umbauten vorübergehend schließen und soll ab September 2019 wieder zur Verfügung zu stehen. Das Divecenter Santiago bleibt geöffnet und verlegt den Betrieb in der benachbarten Santiago Lounge. In direkter Nachbarschaft befinden sich übrigens auch das Casa Strela & Villa Strela – zwei liebevoll gestaltetes Gästehäuser, die von Andreas (ebenso Schweizer) geführt werden.

Tauchen in Tarrafal mit dem Divecenter Santiago

Das Divecenter Santiago befindet sich nur einen Steinwurf vom King Fisher Village und bietet damit idealen Support, um im umliegenden Hausriffbereich abzutauchen – diese exklusive Nähe ist auf den Kapverden eine Seltenheiten. Insgesamt befinden sich in der direkten Umgebung etwa 15 Tauchplätze, die in wenigen Minuten mit dem Boot angefahren werden können.

Betreiber sind Georg Bachschmid und der Einheimische Emanuel D’Oliveira – ein gefragter Mann der Marine und Autor eines umfangreichen Riffführers zu den Kapverden. Georg hat sein halbes Leben auf den Kapverden verbracht, aber sein Augsburger Dialekt hat all die Zeit unbeschadet überstanden. Er hätte den väterlichen Fotoladen übernehmen können, stattdessen nahm er die Kamera mit in die Ferne, auf den Meeresgrund.

Georg und ich steigen mit 3 mm Suite den Leitereinstieg zum Hausriff hinab – 3 mm im Atlantik?! Genau: Durch die relative Nähe zum Äquator kommt hier ein besonderer Meeresmix zusammen und jetzt im September liegen die Wassertemperaturen meist um wohlige 26 Grad.

Nach einer anfänglichen Sandebene gleiten wir tiefer entlang der senkrechten Felswände hinab. Im Verlauf treten riesenhafte Canyons und Felstürme ins Blickfeld und es öffnen sich gewaltige Überhänge, deren Decken dicht mit gelbleuchtenden Kelchkorallen überwuchert sind. Dazu Peitschenkorallen, rote und gelbe Gorgonien und dichte Büsche schwarzer Korallen. Es gibt verschiedene Algen und Schwämme, in denen sich mit etwas Glück Anglerfische und Seepferdchen gut getarnt versteckt halten. Unzählige Seegurken und Meeresschnecken, wie die violette Fadenschnecke und weitere schöne Vertreter, ziehen gemächlich ihre Bahn. Bemerkenswert ist die Anzahl an Trompetenfischen, die immerhin bis zu 1,5 Meter lang werden. Georg zeigt mir Kraken, die sich streicheln lassen und es sichtlich genießen. Es gibt Muränen, Papageienfische, Feilenfische und große Schwärme roter Soldatenfischen, Doktorfische, Gelbstreifen und Grunzer. An manchen Stellen wie bei »The Arch« – ein riesiger Torbogen – mischt sich alles auf einmal und es herrscht ein unglaubliches Gedränge!

Ausflüge durchs Morabeza-Land

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Santiago lässt sich auf vielfältige Weise entdecken, ob beim Wandern, Mountainbiken oder mit dem Mietwagen. Tolle Eindrücke erhält man durch eine geführte Tour rund um die Insel. Dazu traf ich mich mit dem einheimischen Guide Adi. Begleitet von quirligen Reggae-Rhythmen aus dem Radio fuhren wir mit dem Auto über die hochgelegene Bergpässe des Serra Malagueta Nationalparks. Hinter jeder Kurve eröffnet sich uns ein immer neuer, grandioser Ausblick auf die mächtigen, bis zu 1000 Meter hohen Bergfelsen. Selbst in diesen schwindelerregenden Höhen bearbeiten die Bauern den fruchtbaren Boden für den Anbau von Mais, Bohnen und Zuckerrohr.

Einfach alles scheint auf den Beinen zu sein: Hunde, Ziegen und Kühe laufen über die Straßen. Frauen balancieren ganze Wannen voller Früchte auf dem Kopf und viele Familien sitzen vor ihren einfachen Hütten beisammen.
Wir machen Halt an Märkten voller Farben und Gerüche: Berge von Früchten, Gemüse, ganze Hühner, Schweine und fangfrischer Fisch werden lauthals angepriesen. Schuhe, Kleider und afrikanische Stoffe in den wildesten Farbmustern – alle Dinge des Alltagsleben findet man hier. Große Supermärkte sind auf den Kapverden selten. Sogar Mechaniker und Elektroniker bieten ihre Dienste an und bringen trickreich einfach alles wieder zum Laufen.

Bedeutende Stätten der Geschichte sind zu besichtigen, wie der Ort Cidade Velha. Um 1460 setzten hier die Portugiesen als erste ihren Fuß auf die bis dahin unbewohnten Inseln und errichteten im weiteren Verlauf den Sklavenhandel der Neuzeit. Menschen unterschiedlichster Herkunft wurden in alle Teile der Welt zerstreut und begründeten die heutige kreolische Kultur. Der Sklavenpranger auf dem Dorfplatz und viele Bauten wie das Fort Real de São Filipe sind Zeitzeugen dieser finsteren Epoche.
Und dennoch, das noch recht junge Volk der Kapverdier ist heute stolz auf seine wechselvolle Vergangenheit und seiner eigenständigen Identität.

Sal: Sand, Salz, Sonne

Der zweite Teil meiner Reise führte mich auf die nördliche Kapverden-Insel Sal. Die Insel ist der komplette Gegensatz zu Santiago – sie ist flach, sandig und zählt zu den trockensten Gebieten der Erde. Dafür verfügt sie über die schönsten Strände des Landes – die ideale Grundlage für einen Badeurlaub. Entlang des kilometerlangen Sandstrandes von Santa Maria reiht sich ein Hotel ans andere. Als Top-Adresse gilt das Morabeza Hotel: Eines der ersten Hotels auf den Kapverden überhaupt, ganz im eleganten Kolonialstil. Sowie weitere Hotels wie das Dunas Del Sal und das Budha Beach Hotel – beide bieten eine gute, einfache Ausstattung zum fairen Preis. Von allen Hotels wird ein Abholtransfer durch die Tauchbasis der Eco Dive School Cabo Verde angeboten. Ich habe mich ins Budha Beach Hotel einquartiert, welches etwas abseits und damit ruhig vom Hauptort Santa Maria liegt. Zu Fuß erreicht man die Tauchbasis in einem gemütlichen Spaziergang von 5 – 10 Minuten entlang des Strandes.

Vor allem Relaxen, Tauchen und Surfen gehören zu den Lieblingsbeschäftigungen. Dennoch lohnt es sich, für einen Tag einen Mietwagen zu nehmen und die wenigen „Sehenswürdigkeiten“ der Insel zu erkunden. Ich mietete mir ein geländefähigen Pick-Up und rauschte damit querfeld ein über die weiten Ebenen. Mein Ziel war Buracona – eine Meeresgrotte, die nach oben eine Öffnung aufweist und durch das einfallende Sonnenlicht leuchtet das Wasser in einem magischen Blau.
Anschließend ging es zur Salzbaustätte „Las Salinas“, die um 1838 der Insel letztlich ihren Namen Sal (also Salz) verlieh. Hier wird in den Salinen inmitten des Vulkankraters von Pedra de Lume auch heute noch Salz gewonnen und man kann sogar darin baden wie im Toten Meer, ohne dabei gänzlich unterzutauchen.
Etwa 20 Autominuten davon befindet sich Shark Bay: Im knietiefen Wasser huschen junge Zitronenhaie über das Riffdach und entlang der vorgelagerten Kante lassen sich sogar ausgewachsene Tiere von mehr als 3 Metern Länge beobachten.
Als ich aus dem Auto stieg, lief Melissa, ein hochgewachsener Mann in Frauenkleidern auf mich zu und bot sich als Guide an. Da ich mir Badeschuhe bei ihm ausleihen konnte, dachte ich mir warum nicht. Und so liefen wir gemeinsam bis zur Kante, von wo aus man die Tiere beobachten kann. Besonders viel sah ich von den großen Exemplaren nicht – zumindest mehrere Rückenflossen konnte ich ausfindig machen, aber es hat trotzdem viel Spaß gemacht.

Die Eco Diving School Cabo Verde ist eine gemütliche Taucherhütte direkt auf dem Strand von Santa Maria und liebevoll im rustikalen Beachlook gestaltet. Große Kabeltrommeln dienen als Tisch oder auch als Hängevorrichtung für die Jackets. Es gibt Sonnenliegen und direkt nebenan befindet sich eine Beachbar. Die Ausrüstungen und das ganze Team machen einen bestens organisierten Eindruck. Die aufgeweckte Basenleiterin Sandra aus Berlin hat es durch ihr Studium der Meeresbiologie auf Sal verschlagen. Ihre Abschlussarbeit hatte die hiesige Karrett-Meeresschildkröte zum Thema und seither steht sie der Unterwasserwelt von Sal treu zur Seite.

Daher war meine Freude umso größer mit ihr auf eine nächtliche Schildkrötenwanderung (Turtle Walk) zu gehen, um die Tiere bei der Eiablage zu beobachten. Und das ist einfach eine schöne Erfahrung: Mitten in der Nacht bei Mondschein und unter klarem Sternenhimmel am verlassenen Strand zu sein, während Sandra viele wissenswerte Details zu den Schildkröten erklärt. Dabei kriechen ca. 1 Meter große Tiere an uns vorbei auf der Suche nach einer geeigneten Eiablagestelle und ich fühle mich plötzlich wie in Jurassic Park : ) Wir flüstern dabei ganz leise, um die Tiere keinesfalls zu erschrecken, denn sonst machen sie einfach kehrt und flüchten unverrichteter Dinge zurück ins Meer.
Schildkröten haben es schwer: Von 1.000 Eiern schafft es nur eine Schildkröte bis zur Geschlechtsreife, die bei unglaublichen 25 Jahren liegt! Wilderei, Verschmutzung und Zerstörung des Lebensraums bedrohen die Tiere zusätzlich.

Die sogenannten Turtle Walks, sagt mir Sandra, sind bislang das beste Mittel zum Schutz der Schildkröten, das zu einem besseren Umweltverständnis bei Besuchern und in der Bevölkerung beiträgt. Die Einnahmen unterstützen Projekte wie das Project Biodiversity. Man kann gegen einen frei wählbaren Spendenbeitrag sogar eine Schildkröte adoptieren. Angesichts dieser niedlichen Babyschildkröten konnte ich mich natürlich nicht erwehren, auch eine zu adoptieren und durfte ihr auch einen Namen geben. Sie oder er heißt (wie kann es auch anders sein) Sam und ich erhalte jetzt regelmäßig eine Email über den Zustand der Schildkröten – eine großartige Idee, die wunderbar funktioniert!

Tauchen auf Sal

Rund um Sal sind ca. 25 Tauchplätze, davon eine Vielzahl vor Santa Maria, die mit dem Zodiac angesteuert werden. Die entlegenen Tauchplätze im Nordwesten bei der Grotte Buracona werden über Landeinstieg betaucht. Morgens geht es auf einem Doppeltauchgang mit Oberflächenpause und je nach Vereinbarung auf einen weiteren Einzeltauchgang am Nachmittag.

Wracks auf moderaten 10 bis 25 Metern und viele Basaltriffe gibt es zu entdecken. Grundsätzlich begegnete ich einer ähnlichen Meeresvielfalt wie auf Santiago, so sind auch hier die Wrackaufbauten und Überhänge von einer dichten Decke der gelbleuchtenden Kelchkorallen überzogen. An den geschützten Stellen sammeln sich massenhaft Soldaten-, Drücker- oder Doktorfische. In den Spalten lauern Spinnenkrebse, Lobster und Bärenkrebse. Muränen gab es auf einem einzigen Tauchgang gleich in den unterschiedlichsten Farben und Größen.

Häufig rudern Schildkröten durch das Gewässer, die besonders in den Sommermonaten, die Strände nach geeigneten Nistplätzen absuchen. Ich sah Makrelen und Schwärme dickbäuchiger Tunfische durch die Strömung jagen.

Beeindruckend waren auch die Begegnungen mit Schwärmen friedlich lächelnder Igelfische, die ich in solcher Anzahl noch nie gesehen habe. Und das ist längst noch nicht alles – hätte ich noch etwas mehr Zeit mitgebracht, dann wäre ich sicher zu den Spots wie Buracona und Dos Oljohs abgestiegen, berühmt für ihr Höhlengewirr und fantastisches Lichtspiel.

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